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04.08.2020

470er-Boote greifen wieder in das Regattageschehen ein

Als erste Bootsklasse des Österreichischen Segel-Verbands nehmen die 470er-Teams David Bargehr/Lukas Mähr und Nikolaus Kampelmühler/Thomas Czajka mit der am Mittwoch startenden Challenge Cornu das Regattasegeln wieder auf. Der Wettkampf in der Nähe der französischen Hafenstadt Brest ist die erste Standortbestimmung seit dem Weltcup vor Miami im Jänner.

Österreichs 470er-Segler haben sich seit Anfang Mai fast ausschließlich an der kroatischen Adriaküste auf die kommenden Aufgaben vorbereitet. Zuletzt wurde in Split an der Technik gefeilt, dann übersiedelten die OeSV-Boote noch nach Primošten, wo sie bei anderen Bedingungen neue Reize setzten. Um wieder an einer Regatta teilnehmen zu können, machten sich sowohl David Bargehr/Lukas Mähr als auch Nikolaus Kampelmühler/Thomas Czajka in der vergangenen Woche auf den Weg in die Bretagne. Nach einigen Trainingstagen startet am Mittwoch die viertägige Challenge Cornu vor Plouguerneau. Auf die OeSV-Asse wartet ein starkes Teilnehmerfeld, ist es doch zugleich die einzige Regatta vor der geplanten Europameisterschaft in Palma Anfang Oktober. „Dafür nimmt man die Strapazen gerne in Kauf“, sagt David Bargehr in Bezug auf die zweitägige Anreise. „Die Stimmung im Bootspark ist sehr positiv. Jeder pusht sich im Training und brennt auf den Wettkampf. Alle sind froh, dass wir wieder Rennen fahren können. Wir wollen die Prozesse, die wir in Kroatien trainiert haben, nun im Wettkampf umsetzen“, so der Steuermann, der eine lange regattafreie Zeit nur aufgrund einer Verletzung kennt. Im November 2016 hatte er sich einen Riss der Bizepssehne im linken Arm zugezogen – eine fünfmonatige Pause folgte.

Anspruchsvolles Revier in der Bretagne
Obwohl alle Segler in den vergangenen Monaten unter ähnlichen Einschränkungen trainieren mussten, hatten vor allem große Segel-Nationen einen Vorteil. Mit rund 20 Booten konnten beispielsweise die Franzosen regattaspezifischer trainieren. „Von der sportlichen Seite ist die Regatta für uns optimal, es wird eine erste Standortbestimmung. Die Vorbereitung in Kroatien ging sicher in die richtige Richtung“, ist Lukas Mähr überzeugt. Dass die beiden Nachwuchsboote Niclas Lehmann/Niklas Haberl und Rosa Donner/Sebastian Slivon am Training an der Adria teilnahmen, bedeutete auch für die zwei arrivierten Teams einen Vorteil. „Es war sehr wichtig, dass der Segel-Verband das Training mit vier Booten ermöglicht hat. Dieses Konzept ist voll aufgegangen“, weiß Mähr.

In der Bretagne erwartet die 470er-Segler viel Strömung sowie Atlantikdünung – zwischen Ebbe und Flut sind sieben Meter Unterschied. „Wir sind zum ersten Mal hier, das macht es noch spannender. Das Revier hat viele Eigenheiten, die Strömung und die Wassermassen sind eine neue Herausforderung. Diese Regatta ist eine tolle Möglichkeit für den Wiedereinstieg. Wir haben in den letzten Tagen gesehen, dass wir absolut konkurrenzfähig sind und wollen auch gleich performen“, zeigt sich Bargehr zuversichtlich und spricht auch über den Umgang mit der Coronavirus-Pandemie: „Das Thema ist auch hier allgegenwärtig, die Athleten machen Tests. Die Kriterien in Frankreich sind streng, es herrscht fast überall Maskenpflicht.“

Weltmeisterschaft 2020 abgesagt
Am heutigen Dienstag gab die 470er-Klassenvereinigung die Absage der für Anfang Oktober geplanten Weltmeisterschaft in Palma bekannt. Das Event soll aber als Europameisterschaft abgehalten werden. Mit der Challenge Cornu haben die Athleten nach jetzigem Stand nur noch diese eine Regatta vor den Titelkämpfen in Spanien. „Wir haben in unserem Seglerleben immer einen Plan B, durch das Coronavirus müssen wir mittlerweile bis zu einem Plan D denken. Diese Ungewissheit ist für alle gleich, wir werden auch diese Situation meistern. Unser großes Ziel bleibt die Qualifikation für die Olympischen Spiele“, bleibt Mähr fokussiert. Aktuell sind für März 2021 die Weltmeisterschaft in Vilamoura/Portugal und für Mai 2021 die Europameisterschaft in Hyères/Frankreich geplant – bei einer dieser Regatten sollte die Entscheidung über den letzten europäischen Olympia-Quotenplatz fallen.

Kampelmühler/Czajka wollen Fortschritt bestätigen
In Hinblick auf die Olympia-Qualifikation arbeitet auch das zweite OeSV-Team mit Nikolaus Kampelmühler und Thomas Czajka akribisch seine offenen Punkte ab. „Nach einer langen Pause werden am Anfang wahrscheinlich Fehler passieren. Wir wollen Schritt für Schritt mehr Sicherheit bekommen und jeden Tag etwas Positives mitnehmen. Wir sind guter Dinge“, berichtet Steuermann Kampelmühler. Und auch Vorschoter Czajka zeigt sich optimistisch: „Wir haben in den letzten Monaten deutliche Fortschritte in der Technik gemacht und sind voll motiviert. Jetzt gilt es diese Dinge auf das Regattageschehen umzulegen. Es ist sehr wichtig, dass wir ein paar Tage vor Regattabeginn hier trainieren konnten. Das Revier ist sehr anspruchsvoll, das letzte Mal habe ich solch eine Strömung im 420er in Belgien erlebt.“

Sportdirektor Matthias Schmid als Trainer dabei
Die 470er-Teams werden im Norden Frankreichs von OeSV-Sportdirektor Matthias Schmid betreut. „Wir freuen uns sehr auf die erste richtige Standortbestimmung. Das Feld ist extrem gut besetzt. Alleine die Franzosen sind mit über 20 Booten am Start. Wir haben endlich wieder die Möglichkeit uns mit internationalen Top-Teams zu messen. Man kann eine Regatta im Training nie simulieren. Sei es das Treffen von Entscheidungen oder mit vielen Booten um eine Boje zu fahren – diese Dinge kann man nur in einer Regatta trainieren“, so der frühere 470er-Segler.