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11.06.2012

Traunseewoche 2012

Ganz ehrlich: 700 Seglerinnen und Segler aus 20 Nationen in zwölf Klassen gleichzeitig auf eine Wasserfläche von nicht einmal 25 Quadratkilometer zu schicken ist irgendwie verrückt, und das gilt ganz besonders für ein Revier wie den Traunsee, wo die Windbedingungen in bestimmten Teilen besser, in anderen schlechter sind. Denn wenn sechs Regattabahnen den See mit einem Netz aus Bojen und Startschiffen überziehen, gibt es kaum Fluchtmöglichkeiten; wer einer Flautenzone zugeteilt wurde, hat in der Flautenzone zu bleiben. Dazu kommt ein ungeheurer organisatorischer Kraftakt. Fünf Segelclubs müssen koordiniert, 200 freiwillige Helfer gefunden und angeleitet, alle verfügbaren Ressourcen der Region gebündelt werden. Verrückt, wie gesagt.
Und doch macht es Sinn. Denn ein Mega-Event lässt sich besser vermarkten als mehrere einzelne Regatten, da springen Sponsoren, Journalisten, Tourismus-Verbände, Klassen-Vereinigungen und nicht zuletzt die Aktiven selbst eher auf. Größte Segelveranstaltung Österreichs, das hat was, da möchte man auch einmal dabei sein. Hohe Medienpräsenz, 10.000 Extra-Übernachtungen in der Vorsaison und eine Wertschöpfung für die Region von zwei Millionen Euro, das hat noch viel mehr, und damit beginnt sich eine Investitionsspirale zu drehen, die im Idealfall für alle von Vorteil ist. Also doch nicht verrückt.
Hätte man sich gleich denken können. Denn vom Organisator der ganzen Chose, dem lederbehosten Ebenseer Christian Feichtinger, kann man halten was man will – verrückt ist er sicher nicht. Vielmehr ein ebenso cleverer wie umtriebiger Geschäftsmann, der die Chancen einer solchen Veranstaltung erkannt, genutzt und mit Hilfe seiner Agentur PROFS geschickt umgesetzt hat. Zum neunten Mal zog Feichtinger heuer die Traunseewoche durch, behielt Bewährtes bei, verbesserte, was es zu verbessern gab. So verlegte er die gemeinsame Party aller Segler aus dem reizlosen Ambiente des Toscana Kongresszentrums in das Seeschloss Ort, das zu den ältesten und schönsten Locations des Salzkammerguts zählt. Ein Wechsel, der uneingeschränkte Zustimmung fand. Man schritt über die Brücke auf den Turm zu, ließ sich von mehr als tausend Jahren Geschichte verzaubern und genoss einen stimmungsvollen, festlichen Abend unter Gleichgesinnten. Ein echtes Highlight, das die Traunseewoche aus der Masse der Regatten abhebt – und die Teilnehmer zum Wiederkommen motiviert.
Auch der Wettergott gab sich heuer gnädig. Am Mittwoch, der für die meisten Anreisetag war, kämpfte man noch mit frostigen vier Grad und Hagelschauern, doch dann übernahmen Sonne und Wind das Kommando und es herrschten über weite Strecken fantastische Segelbedingungen. Alle ausgeschriebenen Wettfahrten konnten unter Dach und Fach gebracht werden – das gab es noch nie. Dementsprechend positiv waren die Rückmeldungen der Seglerinnen und Segler.
Auf den Lorbeeren ausruhen will sich Feichtinger aber nicht, davon zeugt sein jüngster Coup. Er initiierte eine Partnerschaft mit der Kieler Woche, zu deren Besiegelung er Sven Christensen, den Vorsitzenden des Regattaausschusses des Kieler Yacht Clubs, nach Oberösterreich einlud. Man wolle die Traunseewoche als „Kiel der Alpen“ positionieren und vor allem international noch bekannter machen, ließ Feichtinger verlauten, von der länderübergreifenden Zusammenarbeit erwarte man sich Erfahrungsaustausch, Synergien und wechselseitige Bewerbung. Die positive Spirale soll sich schließlich weiter drehen.